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In Memory of Benjamin Ferencz

Vorstellung von Gregory Gordon’s Biographie „Nuremberg’s Citizen Prosecutor“

Am 09.12.2025 war Professor Gregory S. Gordon erneut an der Universität zu Köln zu Gast, um sein neuestes Buch „Nuremberg's Citizen Prosecutor Benjamin Ferencz and the Birth of International Justice“ vorzustellen. Dabei handelt es sich um eine Biografie über den am 07.04.2023 verstorbenen Benjamin Ferencz, dem durch die Universität zu Köln bereits im Jahr 2021 die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Die Veranstaltung wurde gemeinsam durch das Cologne Center for Advanced Studies in International History and Law (CHL) und das Institute for International Peace and Security Law (IIPSL) ausgerichtet.

Professor Gordon hielt am IIPSL bereits am 28.11.2024 die neunte Hans Kelsen Memorial Lecture zu dem Thema „Conditioning-Speech, Aggression and the Evolution of Atrocity Speech Law” und lehrt derzeit an der Peking University School of Transnational Law

Gordon's Biografie über Benjamin Ferencz ist dabei kein Produkt des Zufalls; er wurde von dessen Sohn Don Ferencz gefragt, ob er eine Biografie über seinen Vater schreiben könne. Benjamin Ferencz hatte Gordons wegweisendem Buch „Atrocity Speech Law“ aus dem Jahr 2017 ein Vorwort gewidmet. 

So führte Gordon über während seiner siebenjährigen Arbeit an der Biografie einerseits umfangreiche Interviews mit Benjamin Ferencz und wertete andererseits Archivmaterial umfassend und teilweise erstmalig aus. Der Zugang zu Ferencz‘ Leben, den Gordon in seiner Biografie eröffnet, ist demgemäß auch zweispurig: der rote Faden durch die Darstellung wird von der üblichen Darstellung von Ferencz selbst über sein Leben getragen. Diese Darstellung wird jedoch an vielen Stellen durch Archivmaterial unterstrichen, ergänzt oder teilweise neu eingeordnet. Dort, wo Gordon teilweise erstaunliche Entdeckungen macht, bleibt seine Darstellung nicht nur bei diesen stehen, sondern eröffnet auch einen Einblick in reflexive Gespräche mit Ferencz über jene Entdeckungen. 

Gordons Darstellung über Ferencz‘ beeindruckendes Leben startet in New Yorks Viertel Hell‘s Kitchen und der Darstellung über die Umstände von Kindheit und Jugend, die sein Gerechtigkeitsgefühl für seine gesamte Karriere prägen sollten. Während seiner Studienzeit arbeitete er als Research Assistant für Sheldon Glueck und wurde dort erstmalig mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten konfrontiert. Auch in seiner Zeit in der Armee kämpfte er gegen die Nationalsozialisten und sammelte als War Crimes Investigator Beweise in unterschiedlichen Konzentrationslagern. Gordon legte außerdem die Entwicklungen dar, die zum Einsatzgruppen-Verfahren im Rahmen der Nürnberger Nachfolgeprozesse führten, für den Ferencz als Hauptankläger fungierte. 

Im Anschluss an Ferencz‘ Tätigkeit in Nürnberg richtete sich sein Wirken in den nachfolgenden Jahren immer deutlicher auf die Interessen und Bedürfnisse der Opfer aus. So leitete er ab 1948 die Jewish Restitution Successor Organization (JRSO), verhandelte innerhalb der Claims Conference und war Direktor der United Restitution Organization (URO). 1979 erschien sein Buch „Less Than Slaves“, das sich mit Juden beschäftige, die in Unternehmen wie IG Farben oder Krupp als Sklaven ausgebeutet wurden.

Im Zuge des Vietnamkrieges begann eine weitere Phase Ferencz‘ Wirken hin zur Prävention von Aggressionen und der Bewahrung von Frieden. Er wirkte unter anderem an der Resolution 3314 der UN-Generalversammlung v. 1974 mit, die eine Definition der Aggression enthält. Weiterhin setzte er sich für die Schaffung eines ständigen Internationalen Strafgerichtshofes und die Verfolgbarkeit des Aggressionsverbrechens ein. Auch im Hinblick auf die Konferenz in Kampala 2010, die in einer Definition des Aggressionsverbrechens im Rahmen des Rom-Statuts mündete, nahm er eine wichtige Rolle ein. 

Nach dieser eindrücklichen Nacherzählung ging Gordon jedoch auf die Entdeckungen ein, die er während seiner Archivarbeit gemacht hat und die seiner Ansicht nach ein fehlendes Bindeglied zwischen den verschiedenen Stationen darstellen. Es zeigte sich nämlich unter anderem, dass Ferencz vor dem Einsatzgruppen-Verfahren auch für den Ankläger im Krupp-Verfahren tätig war und insbesondere Kreuz-Verhöre von Zeugen durchführte, die Gordon auszugsweise darstellte. Gordon hob den Moment der Entdeckung dieser Verbindungslinie zum Krupp-Verfahren als einen der für ihn wichtigsten der gesamten Arbeit an der Biografie heraus. Nach Gordon lassen sich aus dieser Verbindungslinie heraus auch Ferencz‘ Restitutionsbemühungen im Anschluss an Nürnberg, die sich unter anderem gegen Krupp richteten, neu kontextualisieren. 

Auch seine Präventionsbemühungen im Hinblick auf Aggressionen lassen sich nach Gordon in einem neuen Licht sehen, weil es gerade im Krupp-Verfahren im Hinblick auf Verbrechen gegen den Frieden zu Freisprüchen kam. Gordon resümierte, dass wahrscheinlich nicht die Erfahrung im Einsatzgruppen-Verfahren, sondern im Krupp-Verfahren und insbesondere der dortige Misserfolg den Grundstein für die späteren Bemühungen im Hinblick auf das Aggressionsverbrechen legte. Schließlich schloss Gordon seine Darstellung mit Überlegungen zu der Frage, warum Ferencz seine Beteiligung im Krupp-Verfahren in seinen eigenen Erzählungen bewusst unerwähnt ließ, obwohl es sich dabei nach Gordon um einen richtungsweisenden Punkt in Ferencz‘ Biografie handele. 

Gordon machte insgesamt die herausgehobene Rolle von Benjamin Ferencz während der gesamten Entwicklungsgeschichte des Völkerstrafrechts deutlich und eröffnete einen teilweise völlig neuen Zugang zu dessen Wirken. Diese detaillierte Vorstellung der Biografie regte das Publikum zu zahlreichen Fragen an.

Video Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität zu Köln an Benjamin Ferencz