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Benjamin Ferencz

Benjamin Ferencz (1920–2023) war Chefankläger beim Nürnberger Einsatztruppen-Prozess und spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs. Als weltweit renommierter Autor und Redner trug er wesentlich zur Entwicklung der Menschenrechte und des Völkerrechts bei. Sein Wirken prägte die internationale Gemeinschaft nachhaltig. Bis heute gilt er als einer der bedeutendsten Völkerrechtler.

Als Ehrendoktor der juristischen Fakultät der Universität und Freund von Prof. Kreß ist es dem Institut ein wichtiges Anliegen, das Andenken und Vermächtnis von Benjamin Ferencz stets zu ehren und zu bewahren.

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Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität zu Köln an Benjamin Ferencz

Am 11. Februar 2021 erhielt Benjamin Ferencz, der damals letzte lebende Ankläger der Nürnberger Prozesse, in denen Mitglieder der NS-Elite verurteilt wurden, die Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät der Universität zu Köln.

Benjamin Ferencz, Professor für Internationales Recht an der Pace University (New York), hat die Ehrendoktorwürde der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln erhalten. Aus diesem Anlass fand gestern am 11. Februar eine Feierstunde statt, in der das Leben und die Arbeit des renommierten Praktikers und Wissenschaftlers des Völkerrechts gewürdigt wurden.

Professor Ferencz war nach dem Zweiten Weltkrieg ein Ermittler von Nazi-Kriegsverbrechen und diente als Chefankläger der US-Armee im Einsatzgruppen-Prozess. Später gehörte er zu jenen Wissenschaftlern, die entscheidend zur Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs beigetragen haben.

Der Rektor der Universität, Professor Dr. Axel Freimuth, nahm an der digitalen Zeremonie zu Ehren von Benjamin Ferencz teil. Auf der Liste der Ehrengäste standen unter anderem Donald Ferencz, der Sohn von Benjamin Ferencz, Abraham Lehrer, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Peter Frank, der Generalbundesanwalt der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Joachim Bertele, der Beauftragte für Fragen des allgemeinen und besonderen Völkerrechts im Auswärtigen Amt, und Klaus Rackwitz, der Direktor der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien. Rektor Freimuth, stellte in seiner Ansprache fest, „dass es eine große Ehre für unsere Universität ist, dass Sie es akzeptiert haben, unser Ehrendoktor zu sein, einer von uns zu sein.“ Er sagte ferner, dass es Ferencz in einer Zeit des Hasses und des Todes gelungen sei, den Weg nach vorne zu zeigen, den Weg, der aus der Hölle herausführt und hilft, neu zu beginnen. „Sie haben uns allen erklärt, was es bedeutet, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und Gerechtigkeit für die Zukunft zu suchen.“ Freimuth betonte die Bedeutung der internationalen Beziehungen für die Universität und die enge Verbindung zu Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen weltweit. „Die Ehrendoktorwürde ist das Symbol für diese enge akademische Freundschaft.“

Professor Dr. Ulrich Preis, der Dekan der Fakultät, betonte, dass der Name „Benjamin Ferencz“ Grund genug für die Verleihung der Ehrendoktorwürde sei: „Dr. Ferencz‘ fast lebenslanger Beitrag zur internationalen Justiz kann nur als herausragend bezeichnet werden“, sagte er. „Mit der Ehrung verbinden wir die Hoffnung, dass Dr. Ferencz‘ Nürnberger Engagement und das Vermächtnis seiner nachfolgenden Arbeit, die auf der großen Idee von Nürnberg aufbaut, auch langfristig Bestand haben werden.“

Preis schloss: „Für unsere Fakultät ist die Aufnahme von Dr. Ferencz in das erlesene Kollegium ihrer Ehrendoktoren ein wertvoller und nachhaltiger Ansporn, auch weiterhin unseren wissenschaftlichen Beitrag zur Unterstützung von Dr. Ferencz‘ großer Vision der internationalen Gerechtigkeit zu leisten.“

Der Kölner Straf- und Völkerrechtler Professor Dr. Claus Kreß erinnerte an die traurige Tatsache, dass die Nazis Professor Hans Kelsen wegen seiner jüdischen Herkunft aus der Universität Köln vertrieben. Kelsen, der Rechtstheoretiker, Verfassungsrechtler und Völkerrechtler von Weltruf, sollte später der US-Regierung bei der Ausarbeitung der Londoner Charta helfen, die zur Rechtsgrundlage für den Nürnberger Prozess wurde. Kreß wies auch darauf hin, dass Professor Hermann Jahrreiß, der Nachfolger von Professor Hans Kelsen in Köln, einer der Verteidiger bei den Nürnberger Prozessen war und später Rektor der Universität zu Köln wurde.

„Die Frage ist, ob das Wirken von Professor Jahrreiß als Rektor der Universität Köln die letzte sichtbare große Verbindung Kölns zu Nürnberg bleiben soll. Wir glauben, dass dies nicht der Fall sein sollte“, sagte Kreß.

In seiner Laudatio erinnerte Professor Dr. Stephan Hobe, Inhaber des Lehrstuhls für Völkerrecht, Europarecht, Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht an Benjamin Ferencz‘ Karriere als Anwalt für die USA, zunächst als Mitglied des Nürnberger Anklageteams von Telford Taylor, dann als Chefankläger im sogenannten „Einsatzgruppen-Fall“, in dem alle 22 Angeklagten verurteilt wurden. Ab den 1970er Jahren arbeitete er an der Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs. Dieser wurde 1998 mit der Verabschiedung des Römischen Statuts für den Internationalen Strafgerichtshof Realität.

Hobe bezeichnete die Leistung von Ferencz‘ Arbeit als Paradigmenwechsel in der internationalen Politik und im Völkerrecht: dass Aggression, nachdem sie jahrhundertelang den normalen Verlauf der internationalen Politik bestimmt habe, nun strafbar sei.

Hobe schloss: „Ich darf abschließend wiederholen, dass die Kölner Rechtswissenschaftliche Fakultät der Meinung ist, dass das lebenslange Engagement von Herrn Benjamin Ferencz für die internationale Justiz ein großartiges Beispiel ist. Ihre Vita ist ein langes Leben im Dienste der internationalen Justiz. Dies ist der Grund, warum wir so demütig sind und uns alle in Anerkennung Ihrer Persönlichkeit und Ihrer enormen beruflichen Leistungen verneigen. Wir sind sehr dankbar, dass Sie unser kleines Zeichen der Wertschätzung angenommen haben.“

Professor Dr. Benjamin Ferencz, der das 100. Lebensjahr vollendet hat, begrüßte das Publikum in einer vorab aufgezeichneten Botschaft. Donald Ferencz, selbst Jurist, vertrat seinen Vater während der Zeremonie und richtete seine Worte der Anerkennung an das Publikum. Benjamin Ferencz sagte:

„Wir sind heute Nachmittag auf ergreifende Weise an einen wichtigen Übergang erinnert worden – sowohl für die Universität Köln selbst als auch für Deutschland als Nation – von den sehr dunklen Tagen der Diskriminierung und Verfolgung zu wesentlich helleren Tagen der Wahrnehmung einer führenden Rolle bei der Förderung der Herrschaft des Rechts.“

„Die Ehrendoktorwürde aus den Händen derjenigen zu erhalten, die für die Ausbildung der nächsten Generation von Fackelträgern verantwortlich sind, ist eine große Genugtuung.“

Vorstellung von Gregory Gordon’s Biographie „Nuremberg’s Citizen Prosecutor“

Am 09.12.2025 war Professor Gregory S. Gordon erneut an der Universität zu Köln zu Gast, um sein neuestes Buch „Nuremberg's Citizen Prosecutor Benjamin Ferencz and the Birth of International Justice“ vorzustellen. Dabei handelt es sich um eine Biografie über den am 07.04.2023 verstorbenen Benjamin Ferencz, dem durch die Universität zu Köln bereits im Jahr 2021 die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Die Veranstaltung wurde gemeinsam durch das Cologne Center for Advanced Studies in International History and Law (CHL) und das Institute for International Peace and Security Law (IIPSL) ausgerichtet.

Professor Gordon hielt am IIPSL bereits am 28.11.2024 die neunte Hans Kelsen Memorial Lecture zu dem Thema „Conditioning-Speech, Aggression and the Evolution of Atrocity Speech Law” und lehrt derzeit an der Peking University School of Transnational Law

Gordon's Biografie über Benjamin Ferencz ist dabei kein Produkt des Zufalls; er wurde von dessen Sohn Don Ferencz gefragt, ob er eine Biografie über seinen Vater schreiben könne. Benjamin Ferencz hatte Gordons wegweisendem Buch „Atrocity Speech Law“ aus dem Jahr 2017 ein Vorwort gewidmet. 

So führte Gordon über während seiner siebenjährigen Arbeit an der Biografie einerseits umfangreiche Interviews mit Benjamin Ferencz und wertete andererseits Archivmaterial umfassend und teilweise erstmalig aus. Der Zugang zu Ferencz‘ Leben, den Gordon in seiner Biografie eröffnet, ist demgemäß auch zweispurig: der rote Faden durch die Darstellung wird von der üblichen Darstellung von Ferencz selbst über sein Leben getragen. Diese Darstellung wird jedoch an vielen Stellen durch Archivmaterial unterstrichen, ergänzt oder teilweise neu eingeordnet. Dort, wo Gordon teilweise erstaunliche Entdeckungen macht, bleibt seine Darstellung nicht nur bei diesen stehen, sondern eröffnet auch einen Einblick in reflexive Gespräche mit Ferencz über jene Entdeckungen. 

Gordons Darstellung über Ferencz‘ beeindruckendes Leben startet in New Yorks Viertel Hell‘s Kitchen und der Darstellung über die Umstände von Kindheit und Jugend, die sein Gerechtigkeitsgefühl für seine gesamte Karriere prägen sollten. Während seiner Studienzeit arbeitete er als Research Assistant für Sheldon Glueck und wurde dort erstmalig mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten konfrontiert. Auch in seiner Zeit in der Armee kämpfte er gegen die Nationalsozialisten und sammelte als War Crimes Investigator Beweise in unterschiedlichen Konzentrationslagern. Gordon legte außerdem die Entwicklungen dar, die zum Einsatzgruppen-Verfahren im Rahmen der Nürnberger Nachfolgeprozesse führten, für den Ferencz als Hauptankläger fungierte. 

Im Anschluss an Ferencz‘ Tätigkeit in Nürnberg richtete sich sein Wirken in den nachfolgenden Jahren immer deutlicher auf die Interessen und Bedürfnisse der Opfer aus. So leitete er ab 1948 die Jewish Restitution Successor Organization (JRSO), verhandelte innerhalb der Claims Conference und war Direktor der United Restitution Organization (URO). 1979 erschien sein Buch „Less Than Slaves“, das sich mit Juden beschäftige, die in Unternehmen wie IG Farben oder Krupp als Sklaven ausgebeutet wurden.

Im Zuge des Vietnamkrieges begann eine weitere Phase Ferencz‘ Wirken hin zur Prävention von Aggressionen und der Bewahrung von Frieden. Er wirkte unter anderem an der Resolution 3314 der UN-Generalversammlung v. 1974 mit, die eine Definition der Aggression enthält. Weiterhin setzte er sich für die Schaffung eines ständigen Internationalen Strafgerichtshofes und die Verfolgbarkeit des Aggressionsverbrechens ein. Auch im Hinblick auf die Konferenz in Kampala 2010, die in einer Definition des Aggressionsverbrechens im Rahmen des Rom-Statuts mündete, nahm er eine wichtige Rolle ein. 

Nach dieser eindrücklichen Nacherzählung ging Gordon jedoch auf die Entdeckungen ein, die er während seiner Archivarbeit gemacht hat und die seiner Ansicht nach ein fehlendes Bindeglied zwischen den verschiedenen Stationen darstellen. Es zeigte sich nämlich unter anderem, dass Ferencz vor dem Einsatzgruppen-Verfahren auch für den Ankläger im Krupp-Verfahren tätig war und insbesondere Kreuz-Verhöre von Zeugen durchführte, die Gordon auszugsweise darstellte. Gordon hob den Moment der Entdeckung dieser Verbindungslinie zum Krupp-Verfahren als einen der für ihn wichtigsten der gesamten Arbeit an der Biografie heraus. Nach Gordon lassen sich aus dieser Verbindungslinie heraus auch Ferencz‘ Restitutionsbemühungen im Anschluss an Nürnberg, die sich unter anderem gegen Krupp richteten, neu kontextualisieren. 

Auch seine Präventionsbemühungen im Hinblick auf Aggressionen lassen sich nach Gordon in einem neuen Licht sehen, weil es gerade im Krupp-Verfahren im Hinblick auf Verbrechen gegen den Frieden zu Freisprüchen kam. Gordon resümierte, dass wahrscheinlich nicht die Erfahrung im Einsatzgruppen-Verfahren, sondern im Krupp-Verfahren und insbesondere der dortige Misserfolg den Grundstein für die späteren Bemühungen im Hinblick auf das Aggressionsverbrechen legte. Schließlich schloss Gordon seine Darstellung mit Überlegungen zu der Frage, warum Ferencz seine Beteiligung im Krupp-Verfahren in seinen eigenen Erzählungen bewusst unerwähnt ließ, obwohl es sich dabei nach Gordon um einen richtungsweisenden Punkt in Ferencz‘ Biografie handele. 

Gordon machte insgesamt die herausgehobene Rolle von Benjamin Ferencz während der gesamten Entwicklungsgeschichte des Völkerstrafrechts deutlich und eröffnete einen teilweise völlig neuen Zugang zu dessen Wirken. Diese detaillierte Vorstellung der Biografie regte das Publikum zu zahlreichen Fragen an.